Montag, 21. November 2011

3-1 Perth und Western Australia 1

Wir sind also am ersten Ziel unserer Reise angekommen. Australien. Und der Kontinent überfordert mich. Nicht nur, dass der Indische Ozean in meinem Kopf auf der falschen Seite liegt (rechts, statt links, wenn du die Sonne am Mittag ansiehst – sie steht im Norden statt im Süden). Nein, es ist die schiere Grösse, die die Vorstellung schwierig macht, wie das alles „abzureisen“ sei. Aber wir haben Zeit, und wir lassen uns Zeit.
Statt, wie ursprünglich geplant, in Melbourne bei Cousin Peter, sind wir in Perth, am anderen Ende des Landes bei Marianne gelandet, einer Freundin, die wir vor der Ankunft nicht kannten. Peter muss warten; er wird’s überstehen.

Der Reihe nach:

Einreise
Die Einreisevorschriften sind in Australien sehr scharf. Der Kontinent will sich von Krankheiten für Mensch, Tier und Pflanzen schützen, verständlich. Deshalb ist der Import von Lebensmitteln in irgendeiner Art ebenso verboten, wie der von Flüssigkeiten. Im Flugzeug wurde uns ein ausführlicher Film gezeigt, der uns nachdrücklich auf die Folgen aufmerksam machte, die eine Falschdeklaration haben könnte. Das hat mich an den Rest usbekischer Rosinen in meinem Rucksack erinnert. Zur Sicherheit habe ich sie verspiesen – in dieser Form ist der Import erlaubt. Sie waren immer noch hervorragend.

Wir hatten einen guten Flug und haben uns bei der Ankunft im Duty Free Shop mit Alkoholika eingedeckt (Whisky), das geht hier. Vor der Passkontrolle gab es eine lange Schlange, dann aber ging es subito. Und die Dame, die wir fragten, wie wir unsere über das Internet gebuchte Visum von 3 Monaten verlängern könnten, druckte uns alle Immigrationsbüros des Kontinents aus und meinte, das sei dann kein Problem. Schon wieder eine Sorge weniger, denn wir hatten uns ausgemalt, dass dies schwierig sein könnte. Also erneut: keine Sorgen auf Vorrat, lasst das auf dich zukommen.

So auch mit dem Gepäck. Da wird alles genauestens durch die Durchleuchtungsmaschine geschickt, die Koffer und Taschen werden geöffnet und durchsucht. Nicht so bei Baumbergers – als wir uns bei der Riesenschlange anstellen wollten, kam ein freundlicher Herr des Zolls, auf den wir offensichtlich den blendenden Eindruck machten, der uns auszeichnet. Er winkte uns durch einen kleinen Durchgang zum Drogenhund, der uns und unser Gepäck freundlich beschnüffelte. Und das war’s dann auch schon. Und ich hatte mir allerlei Gedanken gemacht, was ich sagen sollte, wenn gefragt, warum die Blutdruckmittel nicht deklariert seien (Import von Medikamenten), was das mit dem Finnendolch sei (Waffen), den ich als finnisches Küchenmesser deklarieren wollte…..

Marianne
Vom Flughafen ging es mit dem Taxi an die Wellingtonstrasse in West Perth, im Zentrum der Stadt, wo uns Marianne schon auf der Strasse erwartete. Sie hatte den Taxi auf der Strasse drehen gesehen. Marianne? Ach so:

In Hong Kong hatten wir durch Hans Ueli, wie im Hong Konger Blog beschrieben, Erich aus Amriswil kennen gelernt, der uns zusammen mit seiner Frau Katherine sehr freundliche und freundschaftlich empfangen hatte. Er meinte, wenn wir nach Perth kämen, wäre da noch eine weitere Amriswilerin, die zwar ursprünglich aus St.Gallen käme, die er vor zwei, drei Jahren kennen gelernt habe. Die sollten wir dann besuchen. Er gab uns die Mailadresse. Wir dachten: Warum eigentlich den Kontinent nicht im Westen betreten? Das liegt doch etwas näher. Gesagt, getan. Mit der Malaysian Air, die wir auch für die Badeferien in Kuantan buchten, konnten wir bequem nach Perth fliegen.

Marianne schrieben wir dann an, ob sie uns ein Hotel in Perth buchen könne. Sie antwortete, wenn uns das recht sei, könnten wir auch bei ihr wohnen. Uns war das recht. Und wir hatten Recht, und wie!

Mit offenen Armen
Marianne ist eine Dame mit riesengrosser Reiseerfahrung auf der ganzen Welt und insbesondere auch in Australien, die uns sehr nützlich ist. Sie ist mit ihrem verstorbenen Mann vor 16 Jahren nach Australien ausgewandert, besucht aber ihre Kinder und Enkel in der Schweiz regelmässig. Sie hat uns buchstäblich mit offenen Armen aufgenommen, und wir fühlen uns sehr wohl hier. Erneut haben wir ein Glück gehabt, das wir – zumindest ich – gar nicht so recht verdienen. Es wird an Elo liegen.

Im Gespräch sind wir dann auf den Thurgau und unsere Freunde gekommen, und ihr Neffe Alex, den wir seit vielen Jahren kennen, hat nicht schlecht gestaunt, als auf seinem Bildschirm unter Mariannes Skype-Nummer Elo und Moritz auftauchten. Klein ist die Welt.


Hier wohnen wir

 

Perth
Zunächst hat uns Marianne die Stadt gezeigt. Perth ist sehr schön. Der weitaus grösste Teil der Bevölkerung von West-Australien (fast die Hälfte des Kontinent) lebt hier: 1,7 von 2,5 Millionen. Der Rest des Staates ist dann sehr dünn besiedelt. Perth erstreckt sich mit seinen Vororten etwa 30 Kilometer süd-nördlich entlang des Indischen Ozeans, der nicht sehr warm ist, aber für ein mildes Klima sorgt. Zwei Sommermonate sind heiss.






Das Zentrum liegt am Swan River etwa 10 Kilometer Luftlinie ab vom Meer. Perth hat eine angenehme Innenstadt. Der Verkehr ist ruhig, auch wenn die Zubringer-Autobahnen morgens und abends verstopft sind. Im Zentrum sind die Busse gratis, einige Vororte sind mit S-Bahnen erschlossen. Die City hat einige Wolkenkratzer, in den angrenzenden Strassen werden Wohnblocks mit teuren Wohnungen gebaut. Der Rest sind Einfamilienhäuser wohin das Auge reicht. Land ist offensichtlich genug da, die langen Anfahrten zur City schrecken anscheinend nicht.


Die Stadt hat viele Parks. Einer ist der Kings-Park, der per Gesetz geschützt ist und in dem auf vielen Hektaren nicht nur eine grosse Vielfalt von Pflanzen und Bäumen wachsen sondern auch wilde Tiere leben. Immer wieder gibt es, wie auch am Meeresstrand Plätze, an denen Picknicks gemacht werden können, und im Picknick sind die Australier kaum zu überbieten. An vielen Orten sind feste Grills eingerichtet, auf denen mit Gas Metallplatten erhitzt werden zum grillen. Das ist gratis.







Velo auch hier
Am zweiten Tag machten wir eine Velotour am Südufer des gewundenen Swan-Rivers nach Fremantle, dem Seehafen Perth’. Es wurden etwa 40 Kilometer gegen den Wind auf mittelmässig bequemen Velos. Aber es war schön. Da standen Häuser in einer Vielfalt, die wir uns kaum vorstellen konnten. Grosse, kleine, schöne, hässliche; kleine waren schön, grosse hässlich – und umgekehrt. Es gibt darunter aber auch wirklich gute Architektur.


Dazwischen haben wir noch die Tickets nach Melbourne (s.u.) gekauft, und so wurde es nach drei, bis wir uns im Yachthafen in einem Restaurant niederlassen konnten. Dafür gab es dann: ½ Langustine, 1 Meerfisch (Barramundi), 1 Flasche Weisswein (Semillion Blanc). Und es war gut. Zurück nach Perth sind wir mit der Bahn gefahren.

 




Neue Pläne

Marianne hat uns vorgeschlagen, gemeinsam mit ihr in ihrem 11-jährigen grossen Chrysler Cherokee Jeep über einige Hundert Kilometer den Norden von Perth zu erkunden. Wir haben ja alle Zeit, und die nehmen wir uns. Die Gegend mit jemandem zu erkunden, der sie kennt und sie liebt, das ist ideal. Daher haben wir dann die Fahrt nach Melbourne, wo wir ein Wohnmobil erwerben oder mieten wollen, einfach 10 Tage nach hinten geschoben. Der Zug fährt erst am 23. November, 3 Tage werden wir in Adelaide sein, und am 28. in Melbourne ankommen. Bevor wir aber abfahren können, muss der Wagen noch in den Service, und so sind wir noch einige Tage in der Stadt.
Von Melbourne aus wollen wir dann vermutlich zwei bis drei Wochen nach Tasmanien, die Insel im Süden. Dort ist es auch im Sommer noch kühl, also muss das bald gemacht werden. Wir werden fliegen und ein Auto mieten. Der Wohnwagen kommt nach der Rückkehr nach Melbourne dran.

Neue Freunde
Der Jeep hat lange gestanden, die Batterie war nicht abgehängt, kein Wank beim Anlassen! Da musste John helfen, ein Freund von Marianne. Er musste am Abend nach unserer Velotour sowieso seine Frau Leslie und Marianne in die Oper fahren. Wir haben dann die Batterie zum Aufladen in sein Haus gebracht und uns den Abend in einem irischen Pub mit wunderschöner Musik um die Ohren geschlagen. Beim Abholen der Damen – hier sagen sie, ungeachtete des Jahrgangs,“ the girls“ – zeigte sich die Innenstadt um 10 Uhr schon etwas tot, alles geschlossen.
Am Montagabend (heute ist Samstag) sind wir bei John und Leslie zum Essen eingeladen.




John, Leslie und Marianne (v.l.n.r.)

Marianne (Mitte), Judy und Ian



Heute wurde Marianne von Ian und Judy zu einer Ausfahrt ans Meer eingeladen. Uns nahmen die beiden selbstverständlich mit. Sie kommen aus Albany an der Südküste, und wir werden sie besuchen, wenn wir da vorbeikommen, und das werden wir.

Haifische

Wir fuhren also an den Strand, wo es hohe Wellen gibt, gut zum Surfen. Das Meer ist eher kühl, der Strom kommt aus der Antarktis. Aber wir werden sicher baden gehen. Zur Zeit haben die Menschen viel Angst vor Haifischen, die in der letzten Zeit drei Menschen gefressen haben. Helikopter überwachen die Küste.

In Hillarys haben wir ein Aquarium besichtigt. Sehr schön waren die Korallen, die kleinen und grossen farbigen Fische, viele auch giftige. Und dann konnten wir durch einen langen Tunnel im Wasser wandern, in dem uns die Haie, Schildkröten, Mantas und anders Fischvolk buchstäblich um den Kopf geschwommen ist. In Hillarys haben wir auch zu Mittag gegessen. Die Portionen sind unheimlich gross. Ein Steaksandwich ist einige hundert Gramm Fleisch, dazu eine grosse Portion Pommes Frites und Salat. Wir teilen uns die Sachen jeweils.
Langusten
Im Yachthafen von Mindale etwas weiter nördlich sprachen wir mit einem Langusten-Fischer. Er besitzt eine Lizenz für 500 Langustenfallen. Das sind Kästen von ca. 80x120cm Grundfläche und nach oben leicht konisch ca. 50-60cm, in denen es Futter als Köder hat. Sie haben einen reusenartigen Eingang, und sind die Langusten mal drin, sind sie drin. Nur die kleinen, die untermassigen, können wieder raus, die Stäbe der Fallen erlauben das durch ihren Abstand.

Der Fischer meinte, es sei ein Gerücht, dass die Langusten zurück gingen. Im Gegenteil, es geben zu viele grosse, die auf dem Markt weniger gefragt seien. In einer Nacht fängt er in einem Korb 20 bis 30 Stück, es gehen aber bis 100 rein. Das ist dann ein Gedränge! Und gibt bei 500 Fallen ganz schön Geld.

Nach Norden
Heute (15.11.) fahren wir nach Norden, entlang der Küste des Indischen Ozeans. In Mariannes Jeep, 4 Liter, Riesenmaschine. Aus der Stadt raus ist noch viel Verkehr, es geht 40 Kilometer durch Vororte, die sich gleichen, wie ein Ei dem andern: breite Strassen, ein- bis zweistöckige eher grössere Häuser, alles in den Sanddünen, die weit in das Land reingehen. Dann wird es einsam. Die Vegetation ist mager, eher kleine Büsche mit etwas Blumen. Tiere sehen wir wenig, einige Kängurus weiter oben. Marianne sieht zwei Emus, aber wir sagen, das sei eine touristische Behauptung.



In Lancelin gehen wir ans Meer, es ist sehr windig. Draussen ist, wie vor allen Häfen und Stränden, ein Riff, an dem sich grosse Wellen brechen. Dort tummeln sich Surfer an einer Art Fallschirmen, sehr sportlich, sehr geübt. Wir essen in einer Bar, in der auch Pferdewetten an Bildschirmen laufen. Die Aussicht ist herrlich: Meer, Schiffe, Surfer, Inseln, Sandstrand. Aber zum Baden ist es zu kalt.



Stromatolithen und Pinnacles
Wir beziehen – zu dritt – ein Motelzimmer in Cervantes, einem Kaff am Meer, das von Spaniern gegründet wurde und in dem die Strassen „Sevilla“, „Madrid“ und ähnlich heissen. Der Ort ist berühmt für die sogenannten Pinnacles. Das sind urtümliche Steinformationen, 350 Millionen Jahre alt. Es sind versteinerte Sandschichten. Wo später Sträucher wuchsen, so die heutige Theorie, sind Salze entlang der Wurzelkanäle runtergelaufen, die die Umgebung härter machten.  Bei der späteren Auswaschung blieben diese Bereiche als Pfeiler stehen, Pinnacles eben.

Zuerst besichtigen wir die Stromatolithen, kleine pilzförmige Lebewesen, unscheinbar. Sie geben im Bereich der Gezeiten Sauerstoff ab. Ihre Vorgänger waren vor 350 Millionen Jahren frühe Fossilien der Erde. Es waren photosynthetische Bakterien, die ihre Energie von der Sonne erhielten und in stark mineralisierten Gewässern lebten. Im Prozess des Aufbaus ihrer „Wohnungen“ haben sie Sauerstoff abgegeben, und sie haben mit ihrem Sauerstoff wesentlich zur Bildung der Erdatmosphäre beigetragen. Das war die erste bilologische Energiequelle. Sie bildete die Grundlage dafür, dass sich weiteres Leben bilden und entwickeln konnte. Ohne diese kleinen Dinger wären wir also nicht hier zu Besuch!




Die Landschaft ist eindrücklich, insbesondere im Abendlicht, wenn die Schatten die Konturen betonen.






Elo mit australischem Gruss

Wir fuhren die Strecke mit dem Jeep ab, machten unsere Fotos und suchten eine Platz am Windschatten, denn es blies stark von der See. Hinter einem Hügel fanden wir einen geschützten Platz an der Abendsonne und hatten einen richtigen australischen „Sundowner“: Weisswein  für Elo und mich, Rotwein für Marianne, Brissago für mich, Sonnenschein für die Damen. Wir sassen auf den Millionen Jahre alten Steinen und da störte es nicht, dass ich Tisch und Stühle, die wir gerichtet hatten, in der Garage stehen liess, statt sie einzuladen. Ich Mostkopf.

Morgen sehen wir die Pinnacles im Morgenlicht.






Sand, Sand, Sand

Die Küste, der wir heute 280 Kilometer lang nachfahren, besteht mehr oder weniger aus reinem Sand. Direkt am Meer sind es Dünen, meist bewachsen mit niedrigem Busch oder Sträuchern, dann kommen auf langen Strecken landeinwärts leicht modulierende Flächen aus Sand mit der gleichen Vegetation. Es gibt wenig Tiere. Wir haben heute 3 Kängurus gesehen, lebendige. Totgefahrene waren es mehr. Auf den Emu warten wir immer noch. Dann war da noch ein einsames Kaninchen. Und in den Pinnacles Papageien, graue mit roter Brust, Galah genannt, und ein kleiner Falke. Auch verschiedene kleine und grössere Singvögel. Am Meer sind grosse Möven und auch dort dann und wann ein Falke. Und überall Krähen.

Abseits der Hauptstrasse

Känguru-Füsse



Es ist Frühling, alles blüht. Wunderbare Bougainvillas in kräftigstem Rot, dann Wüstenblumen, verschiedenfarbige Känguru-Füsse, blühende Gras-Bäume (Black Man darf man ihnen aus politischen Gründen nicht mehr sagen) mit einer riesenlangen Blüte auf dem Wuschelkopf, usw.



Weiter im Norden kommen wir in die Ausläufer des Getreide-Gürtels, mit riesigen Feldern von Horizont zu Horizont, auf denen riesige Erntemaschinen Getreide dreschen, das direkt in riesige Fahrsilos verladen wird, während auf dem Feld riesige Mengen von Strohballen zurückbleiben. Dann wird das Getreide in riesige „Road Trains“ verladen, Lastwagenzüge mit bis zu drei Anhängern und einer Länge von über 35 Metern. Diese bringen das Getreide in riesige Siloanlagen, wo es über Förderbänder in riesige geschlossene oder offene Silos gebracht wird, bevor es auf den Zug verladen wird und in riesige Hafensilos von bis zu einer Million Tonnen Fassungsvermögen gepumpt wird, bereit für die Verschiffung. In Australien ist alles gross, nur du selbst wirst etwas kleiner.








 









Dörfer und Städte

Die Dörfer sind sehr dünn gesät. Sie bestehen aus einstöckigen Häusern hinter den Dünen, einer Hauptstrasse, an der ein allgemeiner Gemischtwarenladen für Bedürfnisse aller Art, eine Post, eine Tankstelle, ein Wein- und Schnapsladen, ein Schnellimbiss und vielleicht ein Café und ein Restaurant stehen. Mal gibt es all dies, mal einen Teil davon.  Die Strassen sind breit, es hat viele Parkplätze und, wenn das Dorf schon älter ist, grosse schöne Bäume mit herrlichem Schatten im heissen Sommer. Die grössten sind eine Feigenbaumart, deren Früchte nicht einmal die Vögel essen, die aber eben schönen Schatten spenden.


100jähriges Schulhaus

Wir besichtigten das alte Dorf Greenough, das von 1860 bis 1920 blühte, dann aber einging, das die Getreidekrankheit Rost die Bauern ruinierte. Hier sind alte Gebäude restauriert worden. Das grösste ist das Gefängnis. Ich hatte den Eindruck, sie hätten hier das halbe Dorf einsperren können. Aber es war wohl eine Art Bezirkshauptort, denn das Road Board, der Vorläufer des heutigen Shire (Bezirk), hatte hier den Sitz. Für die Weissen gab es Einzelzellen, für die Aborigines eine Massenzelle, in der sie dann auch noch angekettet wurden. Sicher ist sicher.

Im nördlichen Wheat Belt, dem Getreidegürtel, sind die Ortschaften eher trostlos. Silos (s.o.), oft verlassene Läden, eine Bar oder ein heruntergekommenes Hotel mit Bar, einige Häuser, etwas Verwaltung und dann hat es sich. Der Reichtum ist wohl in den Farmen angesiedelt, denn der viele Weizen der kilometerlangen Felder muss ja Geld bringen.

 







Grössere Städte wie Geraldton mit 35000 Einwohnern, sind Häfen, in denen die Bodenschätze (Erze, seltene Erden, Gold usw.) und das Getreide des Hinterlandes verladen und in alle Welt verschifft werden. Hier finden sich neben den Docks und Piers sowie Getreidesilos auch  viele Restaurants für die Touristen und Arbeiter. Die Grünanlagen sind grosszügig, die Strände mit dem feinen weissen Sand umfliessen die Stadt von einem Ende zum anderen. Die ganze Küste ist eben Sand, und so ist die ganze Küste auch Strand.

Havarien vor der Küste
Vor der Küste zieht sich ein grosses Riff hin, an dem seit der Entdeckung Australiens immer wieder Schiffe gestrandet sind. Im Museum sind Ueberreste zu besichtigen. Das berühmteste Wrack ist die Batavia, die anfangs des 17. Jahrhunderts ein ganzes grosses Kirchenportal für die holländische Kolonialstadt Batavia in Indonesien an Bord hatte, das nun im Museum aufgebaut ist.

Die Holländer hatten herausgefunden, dass sie am schnellsten nach Indonesien kamen, wenn sie statt der direkten Fahrt den Umweg über Australien nahmen. Sie halbierten die Fahrzeit von Südafrika. Allerdings hatte sich die Batavia in der Distanz geirrt, war zu spät nach Norden abgebogen und buchstäblich in Australien reingedonnert.

Steife Brise, frisierte Bäume
Ab dem späten Vormittag bläst immer ein steifer und oft starker Südwestwind vom Meer her. Die von der Sonne, die hier stark brennt, aufgewärmte Landmasse zieht die Luft über die Küste. Das hat zum einen eine immer relativ starke Brandung zur Folge. Die Strände sind ideal für Surfer und Skiter.

Zum anderen frisiert der Wind auch die Bäume, die sehr oft nach Nordosten geneigt sind. Es gibt vor Gerlaldton sogar „Leaning Trees“ (lehnende Bäume), die bis zum Boden runtergedrückt sind, manchmal auch dort wieder anwachsen, wieder runtergedrückt werden usw.




Formationen und Fossilien

Im Kalbarri National Park erleben wir die Geologie Westaustraliens eins zu eins. Die Küste besteht aus hohen Klippen, an denen die Formationen offen zutage liegen. Wir wandern am Rand der Steilküste und sehen die ungefaltete horizontale Schichtung in rötlich-gelblicher Tönung offen vor uns. Die Gesteine sind uralt, bis zu 450 Millionen Jahren, überlagert von jüngeren Schichten von nur 10 Millionen.




Falke beim Abfliegen



In den Felsen nisten Schwalben und Falken, deren Flugkünste uns beeindrucken, als wir einige Kilometer entlang der Riffkante wandern. Wir sehen und hören, wie Wasser und Wind am Ufer nagen und zehren. Grosse Steinblöcke sind am abkippen, Klippenstücke sind unterspült und bilden Brücken.


Foto ML

Zu diesem geologischen Park – einer der vielen in Australien – gehört auch das Flusstal des Murchison Rivers, der bei Kalbarri in den Indischen Ozean mündet. Er ist 700 Kilometer lang und hat ein Einzugsgebiet von der doppelten Fläche der Schweiz. Der Fluss hat sich tief in die relativ ebene Oberfläche eingegraben, als sein Bett durch eine Anhebung der Erdplatte um mehrere Dutzend Meter in die Höhe gehoben wurde. Entlang von Rissen in dieser Platte bildete der Murchison Schluchten in einem gewundenen Lauf mit Schlingen (Loop) und zickzack-förmigen Biegungen (Bend). Diese legen die Schichten ebenso frei, wie die Kliffs am Meer. Bizarre Felsvorsprünge, Durchsichten und Einschnitte prägen die pittoreske Landschaft.

Im Flussbett finden sich die verschiedensten Gesteine direkt nebeneinander. Das zu dieser Jahreszeit friedliche kleine Gewässer kann in der Regenzeit gewaltig anschwellen und viele Meter hoch steigen.




An den Ufern des Flusses und auf den darüber liegenden gewellten Plateaus des alten Flussbettes sehen wir im australischen Frühling eine grosse Vielfalt von Blumen und blühenden Pflanzen, einer mehrheitlich ariden, halbwüst-trockenen Vegetation. Bäume gibt es, ausser im Flussbett, hier keine, nur Büsche und Sträucher. Tiere sehen wir wenige, einmal zwei Kängurus. Dafür viele Vögel wie die erwähnten Falken und Schwalben, aber auch viele Krähen und Elstern, dann Papageien: Galahs, Corellas, und andere Arten, weiss und farbig. Letzere heissen 28 (ja: 28, weiss der Geier warum).










 








In Kalbarri besuchen wir einen Papageienzoo, der über die grosse Vielfalt dieser Vögle in Australien informiert. Einig Arten sind gefährdet, andere wie die Corellas breiten sich aus wie ornithologisches Unkraut und gefährden weitere Spezies.

sssssss, sssssss, sssssss

Elo als Fliegenfänger

In Hong Kong fragte uns Mike, ob wir den australischen Gruss kennten. Der sei ein immerwährendes, wedelndes Winken vor dem Gesicht. Um die Fliegen abzuwehren. Wir kannten ihn nicht. Aber wir kennen ihn jetzt! Und wir sind bereits geübt darin: Fliegen, Fliegen, Fliegen. Es ist oft zum Auswachsen. Die Biester sind ausserhalb der Stadt überall und in einer für uns unvorstellbaren Zahl. Ein Schweizer Kuhstall ist ein Dreck dagegen. Und sie bevorzugen feuchte Stellen, die da sind Augen, Nasen, Mund und Ohren. Du bist dauernd am Wedeln.

 

Der einzige Trost ist, dass des weniger Fliegen hat, wenn der Wind stark ist, und dass der Wind fast immer stark ist. Für Elo, die starken Wind nicht mag, ist dieser Trost eher ein schwacher.



Entlang der Strassen sind auch kunstvolle Ameisenfallen zu bewundern: Der Ameisenlöwe baut einen schön regelmässigen Trichter. Wenn die Ameisen über den Rand gehen, rutschen sie rein und ins Loch. Dort werden sie wohl gefressen. Wie lange wird es dauern, bis die Evolution ähnliche Fliegenfallen bereitstellt?

Trockene Flüsse, farbige Seen
Das mittlere Westaustralien ist sehr trocken. Die Flüsse sind zwar auf der Karte, aber wenn wir durchfahren meist nicht als Wasserläufe zu sehen. Sie bilden aber leichte, erkennbare Senken, Bachbetten. Es ist kaum vorstellbar, dass die Pegelmasse an den „Flood Ways“, den Strassenüberflutungen, die bis zu zwei Metern anzeigen, jemals in Aktion treten können. Was sie aber im Herbst, im australischen, doch tun. Jetzt ist das alles trocken, oft mehrere hundert Meter breit. Und es glänzt und glitzert, denn wenn die Flüsse nach der Flut austrocknen, dann versalzen sie. Auch das Rinnsal des Murchison war sehr salzig.

Seen, die sich an den Flussläufen bilden, sind dementsprechend mineralreich. Dadurch wird das Wasser farbig. Bei Port Gregory fahren wir dem „Pink Lake“, dem rosaroten See entlang, in dessen Wasser auch die Wolken, die er spiegelt rosarot werden.




Frühling und Bäume

Australischer Weihnachtsbaum

Zur Zeit ist hier Frühling, genauer gesagt der Uebergang zum Sommer (es wird heute über 30 Grad). Das heisst, dass alles blüht. In den Pärken die Bougainvilleen, die Jacarandas, die wir auch in Brasilien gesehen haben vor einem Jahr, die Orchideen, die Akazien. An den Rändern der Wege Unkräuter von schönster Farbe. In den Sandvegetationen der Küstenzonen australische Weihnachtsbäume („Christmas Tree“) und Büsche aller nur erdenklichen Art.



Wunderschön sind auch die Bäume entlang der Strassen im Hinterland. Zwischen den unendlichen Weizenfeldern sind es vor allem die verschiedenen Eukalyptus-Arten, die zum Teil sehr hoch werden. Eine ist quasi mehrstöckig, sie hat oben drauf nochmals eine Etage, wie eine Aussichtsplattform für die Vögel. Wald gibt es hier nicht eigentlich, erst südlich von Perth. Im Norden ist es dazu wohl zu trocken.

Spanisches Kloster

New Norcia ist ein von spanischen Benediktinern gegründetes Kloster. Die Patres haben sich rund hundert Jahre der Erziehung – im christlichen Sinne, versteht sich – der Aborigines gewidmet. Die Kinder wurden in Internatsschulen aufgenommen und unterrichtet. Mitte der 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts musste diese Praxis aufgegeben werden. Die Informationstafeln sprechen sybillinisch davon, dass die Kinder "heute  in ihren Familien bleiben können". In Australien gibt es das Problem der „verlorenen Generationen“, d.h. der ihren Familien entfremdeten Kindern ganz ähnlich wie bei uns mit den Fahrenden.























In New Norcia, das sich heute mit unserer Zeit entsprechenden Mitteln der Pflege der Kultur der Ureinwohner widmet, finden wir eine Wand mit sehr schönen Bildern von den Totems der Aborigines.







 


Der Benediktiner-Konvent scheint analoge Probleme zu haben wie unsere Klöster. Die neuesten Bilder zeugen von starker Ueberalterung. Die brauchen kein Altersheim, die sind eines. Der jüngere Mönch, den ich nach einem Café frage, antwortet mit einem Akzent, den er nur in England erworben haben kann. Er weist mich an ein Hotel im klassischen spanischen Kolonialstil, mit einer Veranda, in der es auch ohne die lästigen, auf Londoner Temperatur eingestellten Klimaanlagen schön kühl ist. Und keine Fliegen hat, obwohl draussen alle wedelnd herumgehen. Die Patres zu allererst.



Erste Rundreise


Picknick am Strassenrand

Die erste Rundreise haben wir also hinter uns. Eine kleine Ecke Südwestaustraliens, knapp 1700 Kilometer. Im Verhältnis zum ganzen Land/Kontinent etwa wie der Bezirk Münchwilen im Thurgau  im Verhältnis zur Schweiz. Da kommt noch was auf uns zu. Aber wir haben jetzt eine etwas bessere Vorstellung von dem, was die Karte zeigt.

Ausgleich am Abend
  
Nachdem wir die Küste hoch sind, ging es dann in zwei Tagesetappen durch die Weizenfelder wieder nach Süden. Korn soweit das Auge reicht. Wenig Verkehr, sehr wenig. Dafür dann und wann Schwertransporte, wirklich schwere („Over Size“), die die ganze Strasse brauchen. Voraus ein oder zwei Ankündigungsfahrzeuge mit Blinklicht, die dich von der Strasse winken, dann ein Polizeiwagen mit Blinklicht auf deiner Spur, dass du sicher weg bist. Und dann die Brummer, die beide Spuren voll brauchen. Es sind meist Einrichtungen für die Minen weiter im Norden und im Osten.


Direkt nördlich von Perth fahren wir noch durch unsere erste Weingegend, das Swan Valley, in dem schöne Weisse und Rote wachsen. Wir erstehen einige Flaschen für Marianne und eine für uns im Zug.

Morgen hat Elo Geburtstag. Da gehen wir gut essen.

Uebermorgen besteigen wir den Zug nach Osten.

21.11.2011 / JB.

Samstag, 5. November 2011

2 - VIII Baden in Malaysia

Am Meer

Jetzt sind wir am Meer. Wir haben das Hotel in Hong Kong gebucht, es heisst „Swiss Garden Hotel Kuantan“ und gehört zu einer Gruppe von „Swiss Garden Hotels“. Es ist schön und bequem, aber was am Hotel „Swiss“ sein soll, ist uns völlig schleierhaft. Ich sitze im Moment in der offenen Lobby im „Swiss Deli“  am PC, da hier der Internetempfang sehr gut ist, Stromanschluss besteht und die Sitze bequem sind. Das Swiss Deli ist eine gewöhnliche Bar mit mittelmässigem Sprit-Angebot (kein Single Malt Whisky), aber einem guten Kaffee nach dem Abendessen. Sie verkaufen amerikanische Schlabbersandwiches und sind sehr freundlich – das würde dann wieder für die Swissness sprechen, oder täuschen uns da nach vier Monaten schon Heimatgefühle?

Regenzeit
Das Hotel ist eher leer, wir sind am Strand immer fast völlig allein. Es ist Regenzeit. Jeden Tag regnet es, aber auch die Sonne scheint (und dann wie!) immer mal wieder. Gestern hatten wir nach einem Regen frühmorgens einen völligen Sonnentag, und auch heute tut es jetzt (Mittag) wieder auf. (Die nächsten Tage waren dann eher durchzogen.) Und es kühlt nie ab, wir können immer im Freien sitzen. Sei es beim Morgen- und Abendessen, sei es, wenn es regnet in einem Pavillon, sei es nach dem Baden auf unserem Balkon. Dort trinken wir einen Gin-Tonic, denn wir haben uns in Hong Kong noch eingedeckt: Eine Flasche Gin und eine Flasche Talisker Single Malt (Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!). Letzteren gibt es zur Nacht bei einem Würfelspiel.

Essen und Trinken

Das Frühstück ist ein Buffet, das Abendessen auch. Am Morgen (wenn wir endlich aufgestanden sind) brät uns einer Spiegeleier oder Omelett, am Abend brät einer oder braten mehrere frischen Fisch oder Fleisch. Das Fleisch verbraten sie total, kohlschwarz. Da stehen wir dann daneben und geben die Befehle aus: „drauftun, drehen, nochmals drehen, so, jetzt ist es gut“. Und dann ist das dünne Rindssteak hervorragend! Auch der frische Fisch schmeckt ausgezeichnet: Seabass, Red Snapper, Tintenfisch, Stingray, Krebs – alles direkt vom Grill. Dazu gibt es als Vorspeisen  japanische Sushi, Crevetten, Salate, Krebse usw. Als Zwischengang ein wenig frische Spaghetti aglio olio. Und der Nachtisch (der Lattmann würde durchdrehen): Kuchen, Patisserie, Crèmes, Früchte, Glace (sehr gut). Wenn dir das nicht passt oder du noch Hunger hast, haben sie auch noch ausgezeichneten Käse (vor allem Bleu und Edamer).

Zu all dem trinken wir – haltet Euch fest: Wasser. Der gute Wein ist in diesem islamischen Land sauteuer (zu einem Buffet für 15 Franken pro Person eine Flasche Wein für 70 und mehr, ist einfach kein Verhältnis). Wir haben einmal ein Glas Hauswein genommen, und dann beschlossen, es zu lassen. Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken. Wir freuen uns auf Australien, auch in dieser Hinsicht.



Man bittet…
Jeden Abend pünktlich auf unser Erscheinen im offenen, auf einer Terrasse gegen das Meer gelegenen Restaurant, beginnt einer oben in der ebenfalls offenen Lobby uns mit Klaviermusik zu unterhalten. Und wie. Schon nach den ersten Takten merken wir, ob er förmig ist. Meistens ist er es. Er liebt kunstvolle Läufe mit der rechten Hand und kräftige Akkorde, und die bringt er überall an, an allen nur möglichen oder unmöglichen Stellen. Was er aber nicht zu lieben scheint, sind die Komponisten seiner Stücke, denn diese, die Stücke malträtiert er in übelster Weise. Zwar ist nicht immer ganz klar, was er gerade in Arbeit respektive unter den Fingern hat. Aber dort wo der Grundgedanke der Melodie durchschimmert tut einem selbst Frank Sinatra leid. Den Schluss bildet immer ein kräftiger Lauf und ein kräftiger Akkord, so nach dem Motto: Den hätten wir auch!

Verbrechen tut das ein distinguierter Herr im schwarzen Anzug. Manchmal traktiert er uns eine Stunde, manchmal 40 Minuten, manchmal 30, ganz nach seinem Gusto. Wir haben den Verdacht, dass es der Direktor des Hotels ist. Dass er also nicht spielen muss und wir zuhören dürfen, sondern dass er spielen darf und wir zuhören müssen.

Auf jeden Fall wäre hier das Täfelchen: „Man bittet, nicht auf den Pianisten zu schiessen“ angebracht.

Viel Ruhe
Wir schlafen sehr viel. Um 10 oder 11 Uhr sind wir müde, dann fallen uns die Augen zu. Und gehen bei mir erst nach 9 Uhr wieder auf. Elo liest dann schon, aber auch sie schläft gut und lange. Nach dem Frühstücksbuffet gehen wir an den Strand, wenn ich nicht noch die Mails beantworte oder schreibe.

Am Strand

Vom Liegestuhl über die Füsse...


Der Strand ist breit und sehr flach. Nördlich anschliessend an unsere Bucht, hinter einer Düne, ist der Frachthafen, von dem wir die Entladekrane sehen. Aussen liegen die Schiffe auf Reede und warten auf das Löschen und das Beladen. Bei Ebbe zieht sich das Meer um über hundert Meter zurück, und auch dann ist es weiter gleich flach. Der Sand ist sehr, sehr fein. Das hat den Vorteil, dass er nicht so heiss wird an der Sonne, aber den Nachteil, dass die Wellen immer den Sand aufwirbeln. Daher ist das Wasser immer braun.

Viel Volk am Strand


Aber sehr schön warm. Und es ist ruhig. Zwar gibt es in der Nähe so zwei Idioten-Vierradtöffs zu mieten, um mit viel Gedröhn den Strand rauf und runter zu fahren, immer hin und her, her und hin. Das muss ein Vergnügen sein. Für uns jedenfalls nicht.. Aber es gibt zur Zeit keine Lümmel, die das mieten! Zwischensaison. Nur am Wochenende sind mehr Leute da, die meisten mit Kindern. Aber diese baden im Swimmingpool des Hotels, und am Strand ist, wenn keiner töfft, eine schöne Ruhe. Nur die Wellen, die sich am Strand brechen, wie ein stetiger Wasserfall.

Peter in Hong Kong meinte, wir sollten uns wegen der Regenzeit keine Gedanken machen, das sei nicht schlimm. Er hat recht. Es ist sogar sehr geruhsam, und wenn du nicht immer von der knalligen Sonne geprügelt wirst, dann ruhst du dich viel besser aus.

Wir liegen auf unseren Stühlen, und wir geniessen es. Wir lesen, Elo macht mal einen Spaziergang, während ich die Sachen bewache (auch eine Pflicht!!) oder die Mails beantworte. Lesen tun wir in unseren elektrischen Büchern und das ist einen Exkurs wert, den ich dann später einmal anfüge, denn jetzt gehe ich an den Strand!

(((Exkurs: Kindle von Amazon
Wir sind ja an sich nicht nur bibliophil, wir sind biblioman. Bücher haben für uns einen Wert über den unmittelbaren Inhalt hinaus. Wir kaufen sie gerne, wir lesen sie gerne, wir haben sie gerne. Und wir trennen uns höchst selten von einem Buch. Unser Haus ist voll von ihnen.

Und doch reisen wir jetzt mit einem elektronischen Lesegerät von Amazon, einem Kindle. Wir haben uns nicht leicht getan, so ein Ding anzuschaffen, denn wir wissen von der Gefahr, die dem traditionellen Buch, seiner Herstellung, seinem Vertrieb und Verkauf droht, und damit auch der Autorin oder dem Autor. Aber für eine lange Reise wie diese gibt es nichts Besseres. Ohne den Kindle wären wir aufgeschmissen.

Unser Neffe Thomas hatte so ein Ding, als wir ihn in Brasilien besuchten, vor einem Jahr. Wir waren skeptisch: so ein dünnes Ding ohne Papier und Blätter, das kann doch kein Buch sein. Und dann ein Bildschirm, der spiegelt doch immer. Aber wir liessen uns überzeugen. Das letzte zuerst: es spiegelt nicht, auch im grellsten Sonnenlicht. Und du kannst blättern, vor und zurück, du kannst die Schriftgrösse der Sehschwäche (in unserem Alter sollte man weniger von Sehstärke sprechen) anpassen.

Ausserdem haben wir uns von Amazon noch Lederumschläge gekauft, die zum Einen das Ganze wie ein Buch nicht nur aussehen sondern auch anfassen lassen. Und dann hat der Umschlag noch ein sehr gutes Leselicht, was im Büssli ebenso wichtig war, wie im Hotel, wo in aller Regel die Einrichter keine Leseratten sind und entsprechend oft gar keine und meist miserable Bett-Leselampen einbauen.

Und – das Wichtigste – du kannst fast unendlich viele Bücher auf kleinstem Raum mitnehmen. Herunterladen kannst Du überall auf der Welt, bei Amazon gegen Entgelt, bei zum Beispiel dem Projekt Gutenberg gratis. Das Herunterladen vom Netz ist gratis.

Der ganze Dickens
Natürlich, es gibt nicht alles elektronisch. Bildbände – wir haben zuhause meterweise – gehen nicht;  was nicht einigermassen mainstream, in, gefragt ist, gibt es nicht. Aber halt doch sehr vieles. Das meiste in Englisch, aber schon eine ganze Menge in Deutsch, Französisch usw. So habe ich den ganzen C.F.Meyer wieder gelesen, Keller, Heinrich Mann, Heine usw. Den Comte de Monte Christo auf franz ein Vergnügen, auch sprachlicher Art; die Betrachtungen von Marc Aurel, die Biografie von Alexander dem Grossen, Kipling, Sommerset Maugham usw. Ich habe den ganzen Shakespeare drauf, den ganzen Dickens – zur Zeit lese ich mit Genuss den Nicholas Nickleby -, Sherlock Holmes, Upton Sinclair, Morgenstern, Benn, Kafka, Büchner, Rilke, Twain, Fielding, Wilkie Collins, Ktrimis von Christie und Wallace, Verne…. und und und. Das wenigste ist gelesen, aber alles kann ich dabei haben. Die Rubrik „Gelesen“ umfasst bisher 38 Titel. 

Elo liest anderes, einiges lesen wir beide. Aber eines ist sicher: Wir wären ohne Kindle lesemässig aufgeschmissen, denn du kannst das einfach in Papier nicht alles mitnehmen. Und unterwegs gute Buchhandlungen zu finden, ist schwierig. Die erste mit etwas Material sahen wir in Peking (in Tokyo und Seoul haben wir nicht geschaut), gute gibt es in Hong Kong zwei. Dann hat es sich aber. Und im Australischen Outback wird das Angebot auch begrenzt sein.

Also: Wer so reist wie wir, sollte sich so was zutun!

Ende des Exkurses))))

So gingen die 14 Tage wie im Flug vorbei. Wir haben den Hotelkomplex nur einmal verlassen, und das auch nur über die Strasse, um Orangensaft und Cola einzukaufen.

Uebermorgen geht’s nach Australien. Abflug 0645! Wie das dann dort mit Blog, Internet und so geht, werden wir sehen. Zuerst müssen wir uns um einen Camper kümmern.

6.11. 2011 / JB.

Freitag, 28. Oktober 2011

2-VII Hong Kong

(((Zuerst eine Bemerkung zum Reiseprojekt: Wir fahren nicht nach Taiwan. Wir sind jetzt seit Südkorea über einen Monat dauernd von einem Hotel zum anderen unterwegs, leben immer aus dem Koffer, ziehen immer wieder um. Das ist manchmal anstrengend, und wir haben jetzt genug davon. Also haben wir Taiwan kurzspitz gestrichen und fahren sozusagen in Badeferien: zwei Wochen ans Meer. Und das auch nicht, wie mal vorgehabt in den Philippinen, sondern in Malaysia. Und dann geht es nach Australien.  
Der Grund ist ein ganz simpler: Es ist viel billiger, da wir mit der Malaysian Air Line ein günstiges Flugticket ergattern konnten. Zwar nicht nach Melbourne im Südosten des Kontinents, sondern nach Perth im Südwesten. Aber es ist ja Wurst, wo wir Australien betreten, wir haben ja Zeit. Ob wir dann, wie wir jetzt denken, zuerst mit dem Zug nach Melbourne zum Cousin Peter fahren oder ganz anders, wird die Zeit zeigen.
Wenn wir in Perth nach heutigem Plan einreisen, ist unsere Anreise nach Australien beendet. Sie wird dann 4 Monate und eine Woche gedauert haben. Denn wir wollten ja ursprünglich nur nach Australien, Neuseeland und die Südsee.

In Perth können wir bei einer Bekannten eines unserer Gastgeber von Hong Kong (s.u.) wohnen, einer verthurgauerten St.Gallerin, die uns liebenswert ihre Gastfreundschaft angeboten hat. Was wir gerne annehmen, da sie uns sicher viele Tipps für unsere Reise geben kann. Und Zeit haben wir ja.

Davor werden wir also noch zwei Wochen herumliegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Das Hotel sollte gut sein, günstig ist es auf jeden Fall. Gebucht habe ich es im Internet.

Nun aber zur Gegenwart:)))

Den unerfreulichen Einstieg in Hong Kong habe ich am Schluss des letzten Blogspots beschrieben. Erledigt. Doch dann zeigte sich die Stadt so wie wir sie kannten und kennen: Faszinierend, schön, lebendig, eine Mischung aus englischer Tradition, altem und neuem China.
Wir wohnen in Kowloon, auf der nördlichen Seite des Hafens, auf dem Festland. Gegenüber liegt Hong Kong Island, mit dem Gipfel, darunter die Wirtschaftsmetropole mit Banken und Bürogebäuden. Die Skyline ist beeindruckend, und am Abend, wenn wir entlang der Hafenpromenade spazieren, sehr schön mit den Lichtern, Lasertstreifen am Nachthimmel.

Bregenz im Quadrat

Wir sitzen auf einer Plattform einer Bar und haben vor uns die Kulisse eine Freilichtbühne besonderer Art. Hinten das Bühnebild der Wolkenkratzer mit den vielen Lichtern. Dann die zweite Ebene des Hafens mit seinem Verkehr an Fracht- und Vergnügungsschiffen, Schleppern, Containerbrücken, Privatjachten. Und schliesslich die vorderste Front der Bühne, die promenierenden jungen und alten Hong Konger und Touristen.


Wir durchstreifen die Gassen Kowloons mit den vielen Geschäften. Es sind einfache, teure, neue, alte, glitzernde und schäbige, Tand und Luxus, Qualität und Schund. Restaurants aller nur vorstellbaren Art: Italien,, Steakhouses, alle chinesischen Küchen von Peking über Sichuan, Kanton und Shanghai, Spanien, Deutschland mit Marco Polo (so heiss das Hotel) German Bier Festival, Japan. Denk es, such es und du findest es: You name it, you look for it and you will find it.


Alte Bank of China (unten rechts, 1974 das zweithöchste Gebäude), neue Bank of China (oben links)

Die Entwicklung Hong Kongs scheint uns etwas langsamer, als die in der Volksrepublik, aber dafür vermutlich auch solider. Und es tut sich auch hier viel. Seit wir vor bald 40 Jahren das erste Mal hier waren, ist der Hafen immer kleiner, d.h. schmaler geworden. Auch jetzt wird wieder aufgeschüttet. Was mal am Wasser lag, liegt jetzt schon ganz weit hinten, und es hat sich eine Bewegung gebildet, um den Hafen zu retten. Wir fahren mit der ehrwürdigen Star Ferry hinüber nach Hong Kong. Sie war früher die einzige Verbindung, und bei Taifun konnte sie nicht fahren und so war die Insel oft tagelang abgeschnitten. Wir suchen die alte Bank of China, einst das höchste Gebäude. Sie ist fast nicht zu finden. Heute ragen die Wolkenkratzer bis fast 500 Meter in die Höhe, und die neue Bank of China ist längst wieder überflügelt.
 

Wir lernen viel
Wir werden durch die Vermittlung von Hans Ueli von dessen Freunden eingeladen. Die Orte sind schön: die Lobby des Peninsula, die Terrasse eines Restaurants in der Repulse Bay auf der Südseite der Insel, ein Kantonrestaurant an der Nathan Road. Aber das immer ausgezeichnete Essen ist nicht das Wichtigste, es sind es vielmehr die spannenden Gespräche. Erich ist seit über 40 Jahren als Handelsvertreter und heute als Geschäftsinhaber tätig. Peter hat eine grosse Hotelgruppe geführt und baut heute mit seiner Stiftung Schulen in Burma. Lucille ist eine bekannte Künstlerin und in Hong Kong aufgewachsen, ihr Mann Mike war Geschäftsmann und stammt aus Shanghai; beide haben in der Schweiz gelebt: er ist dipl. ing. ETH, sie hat zur Zeit von Kielholz in Basel in der psychiatrischen Klinik gearbeitet. Und mit allen diskutieren wir über Hong Kong, ihre und unsere Erfahrungen mit China, unsere Reise, Gott und die Welt. Wir lernen viel.

Anlauf zum Ueberblick
Heute sind wir auf den höchsten Turm Hong Kongs gefahren, respektive gewandert: den ICC, das Internation Commerce Centre. Er ist 490 Meter hoch, die obersten Stockwerke nimmt das Ritz Carlton ein, auf 397 Metern gibt es im 100. Stock eine 360 Grad-Aussichtsplattform, sky100.
    
Warum „gewandert“? Der Hotelconièrge hat zwar etwas für unsere Fitness getan, aber ein Mostkopf im Quadrat ist er trotzdem! Meine Mutter würde sagen, er sei nicht schuld daran, dass der Klee grün ist. Ich fragte ihn nach dem Weg zum höchsten Gebäude der Stadt, in Kowloon. Und er ringelte auf der Karte eine Metrostation an, die von der in unserer Nachbarschaft gelegenen 5 Stationen entfernt ist, Sham Shui Po. Als wir da ausstiegen, waren wir zwar mitten in hohen Wohnhäusern, und in einiger Entfernung war auch ein Wolkenkratzer. Der war aber von einer eher gewöhnlichen, etwas mickrigen Höhe, gut  100 Meter oder so.

Die Himmelsrichtung wusste ich ungefähr, auch wenn die 20-50 Stockwerke hohen Mietskasernen die Sicht verstellten. Da machten wir uns dann halt auf den Weg. Nach etwa einer halben Stunde kam das Ding in Sicht, aber so hohe Häuser sind weiter entfern, als du denkst. Und ausserdem wurde zwischen uns und unserem Ziel gerade noch ein wenig U-Bahn gebaut. Wir machten daher noch zwei-, dreimal gehörige Umgehungsstrecken. Ingesamt wanderten wir, im zügigen Tempo, das wir gewohnt sind, über eine Stunde bis zum Ziel. (Es waren Luftlinie über drei Kilometer, dann die Umwege. Und es war warm bis heiss! Wir haben ganz schön geschwitzt. Ohne Metro wäre es direkt vom Hotel etwa gut zwanzig Minuten gewesen.)


Ueber 200 Meter hoch

Der Concièrge war übrigens der gleiche, der Elo sagte, das Buchpäckli, das wir nach Peking schicken wollten, würde etwa 250 Hong Kong-Dollar kosten (rund 27 Franken). Er hatte mit fürchterlich gewichtiger Miene das Gewicht der Sendung auf seiner offenen Hand abgeschätzt. Wir sind dann selbst auf die Post gegangen und haben es für 23 Dollar spediert. Das hätte uns ja eine Lehre sein müssen.





Einmalig
Aber es hat sich gelohnt. Nachdem wir uns in den Eingeweiden des Gebäudes – das sind ganze unterirdische Einkaufs- und Bürostädte (z.B. die Credit Suisse ist da) – nachdem wir uns also zu den Lifts durchgefragt und den Eintrittsobolus bezahlt hatten, fuhren wir in 60 Sekunden auf 400 Meter und traten ans Fenster. Und obwohl es diesig war, war die Sicht auf den Hafen, auf Kowloon und auf Hong Kong Island einfach umwerfend. Das gibt es nur einmal.





 

Neue Epoche
Im Tram (s.u.) haben wir einen Engländer getroffen, der seit 18 Jahren hier lebt. Als wir ihn fragten, was sich seit der Uebernahme durch die Chinesen geändert hätte, meinte er, es sei eigentlich nicht anders, oder doch: die unbefristete Aufenthaltsgenehmigung sei einfacher erhältlich. Was dem Menschen halt so wichtig ist!

Wir waren damals 1997 an dem Tag des sognannten „Hand over“, der Uebergabe also, hier in Hong Kong. Elo als Journalistin des Tagblatt, ich, mit meiner Taschenkamera, als akkreditierter Fotograf! Es war eindrücklich. Als Charlie – sorry: Prince Charles – auf der Yacht Britannia um Mitternacht aus dem Hafen ausfuhr, buchstäblich abdampfte, war eine Epoche zu Ende: der Kolonialismus. Das lief uns dann doch etwas kalt den Rücken herunter.

Stadtrundfahrt für 30 Rappen

Heute sind wir auf Hong Kong Island mit dem Trämmli gefahren. Es ist zweistöckig und fährt von Ost nach West und umgekehrt. Die Tarife sind günstig: du steigst ein und es kostet 2$30 oder 25 Rappen, solange du fährst. Ich beschloss jedoch, das für uns der Tarif für „Senior Citizens“, Senioren gilt, auch wenn wir nicht Hong Konger sind. Dann ist es pro Strecke 1$ oder gut 10 Rappen. Da wir in einer Richtung noch einmal umgestiegen sind, kostete uns die Reise 30 Rappen. Für rund hundert Haltestellen oder fast zwei Stunden! Was wir da nicht alles sehen. Business und Strassenhandel, Glitzerpaläste und schäbige Wohnblocks, Verwaltungsgebäude und Hotels, Reichtum und Armut, Einkaufsstrassen und Wohnviertel. Es war ein Erlebnis.







Verkehr

Ueberhaupt ist der Verkehr sehr gut organisiert. Da wirkt England nach. Hochstrassen und Tunnels unter dem Hafen für den Schnellverkehr. Klug angeordnete Einbahnstrassen und getrennte Fahrspuren für Tram und Autos. Viele separate Fussgängerwege quasi im ersten Stock. Dies sind nicht einfach Ueberführungen, es sind ganze Strassenzüge. Sie gehen dann in Hochhäuser und Ladenpassagen hinein und wieder hinaus, über Strassen und Plätze. Sie verbinden ganze Quartiere und schützen auch vor leichtem Regen, wie wir ihn heute hatten. Und zum Flughafen, den wir morgen brauchen, geht eine Metro und Schnellbahn aus dem Zentrum direkt vor die Eincheckschalter.








Zum Flughafen
Der Öffentliche Verkehr im Zusammenhang mit dem Flughafen ist ein weiteres Beispiel hongkonger Organisationskunst. Unser Hotel hat zusammen mit anderen einen Minibusverkehr auf die Beine gestellt, der die Gäste, die zum Flughafen wollen, im 12-Minuten-Takt abholt, im Hotelpreis inbegriffen, direkt vor der Tür. Der Bus fährt zur Kowloon Station der Flughafenschnellbahn, die sich im Zentrum beim Güterhafen direkt unter dem Riesenwolkenkratzer befindet, den wir besucht hatten. Eine analoge Bahnstation gibt es auch im Zentrum von Hong Kong Island.

Am Bahnhof gibt es eine ebenerdige Zufahrt. Du steigst aus, kommst in eine Vorhalle, in der du das Ticket für die Flughafenbahn löst (10 Franken für 20 Minuten und all den Service), gehst einige Schritte weiter durch eine Schranke – und stehst, mitten in der Stadt, vor einer ganzen Reihe von Check-in-Schaltern. Keine 50 Meter vom Auto entfernt, das dich gebracht hat. Dort gibst du am Schalter deiner Fluglinie das Gepäck auf (Kuantan in Malaysia mit Umsteigen in Kuala Lumpur), erhältst die Bordkarten für beide Flüge. Fertig.

Dann geht aus der Vorhalle ein Lift einen Stock runter, und du stehst auf dem Perron der Schnellbahn, die dich über zwei grosse Brücken und einige Tunnels zum Flughafen bringt. Dort geht es im gleichen Stil weiter: aussteigen, ohne Treppen über eine Rampe und du bist in der eigentlichen Eicheckhalle, die du aber als Zugfahrer gar nicht mehr brauchst. Dafür kannst du dann in einem der vielen Restaurants eine Etage höher noch ein letztes chinesisches Essen geniessen (Dim Sum für uns) und steigst dann bequem in den Flieger















Bei der Ankunft in Hong Kong ist es analog. Du landest trotz der Entfernung quasi mitten in der Stadt. Der Flughafen Zürich oder der in Frankfurt, die sind auch nicht schlecht angebunden mit ÖV, aber das hier ist noch ein Quantensprung besser.

Der neue Flughafen wurde vor über 10 Jahren mit einigen Monaten Verspätung eingeweiht. Er war fertig, fertig war aber das Zubringersystem des öffentlichen Verkehrs nicht. Finanzielle Verluste der Flughafenbetreiber hin oder her, die Freigabe erfolgte erst, als die Anfahrt ohne Verkehrschaos und sehr hohe Taxikosten möglich war.

Der alte Flughafen lag mitten in Kowloon, und die Flugzeuge flogen den Kowloonern quasi durch die Wohnungen. Es konnten hier auch keine (richtigen) Hochhäuser gebaut werden. Und Landung und Abflug waren oft gefährlich. Wir sassen hier einmal bei einem starken Sturm im Flugi. Abflug war immer Richtung Hong Kong Island. Es hat uns ganz schön rumgeweht, und der Chefpilot, Sohn unseres Freundes Hans Ueli, sagte uns später, das sei einer der kriminellsten, wenn nicht der kriminellste Start seiner Karriere gewesen, wir wären beinahe an die Insel gedrückt worden!

Abschied mit heimatlichen Rachenlauten
Am Vorabend sind wir noch gut essen gegangen. Nach all den chinesischen Köstlichkeiten war uns nach etwas Europäischem. Wir gingen im Marco Polo Hotel Kowloon, direkt neben der Star Ferry, ins italienische Restaurant „Cucina“. Und die Küche: Ravioli und Nudeln (jeweils unter uns geteilt), Bistecca (geteilt), Vannilleglace mit Espresso (ungeteilt), die Küche also war wirklich gut, der Service ausgezeichnet und der biologische Pinot Noir vom Lageder im Südtirol excellent, obwohl er – typisch – unter den billigsten firmierte. Uns war das egal.

Als der Chef de Service des Abends seinen Kontrollgang machte, hörte er uns zu und fragte: „Wohär chömed er i de Schwiz?“. Unsere Gegenfrage beantwortete er mit „Us Güttinge.“ Giovanni Di Russo heisst der Seebueb, ist als Italiener in Güttingen aufgewachsen und heute Assistant Food & Beverage Manager des Hotels. Food & Beverage Managers sind nicht nur für die Küche, den Einkauf verantwortlich, sondern auch den Service und dessen Qualität. Und da gab es im Cucina wirklich nichts zu meckern.




Der Eindruck bleibt: Hong Kong ist eine gute Stadt.








(((P.S. zu den Wahlen in der Schweiz:
Es ist unserer Ansicht nach besser rausgekommen, als vorhergesagt, vorhergedacht, vorherbefürchtet. Die Mitte wurde gestärkt, die Linke geschwächt, aber nicht pulverisiert. Man mag ja von den Grünliberalen und der BDP halten, was man will, aber Mitteparteien sind sie beide.

Das wichtigste scheint uns, dass sich die alte Erkenntnis, dass in der Schweiz keine dominierende Parteiherrschaft toleriert wird, auch praktisch durchgesetzt hat. Etwas spät zwar, und noch nicht in allen Kantonen. Aber immerhin: Die Mehrheit des Stimmvolks, auf dass sich die Brüder immer so pathetisch und mit Alleinvertretungsanspruch berufen, diese Mehrheit hat offensichtlich genug von BB – nicht Brigitte Bardot, sondern Blocher-Brunner, sie hat genug von BM – nicht Bader-Meinhof, sondern Blocher-Mörgeli und Konsosrten. Und sie hat auch im Kanton Zürich offensichtlich genug von solch geistig, ideologisch und sogar physisch unappetitlichen Figuren wie Herrn Schlüer. Für Letzteres kann er zwar wenig, aber ein Schuppenschampoo wäre schon empfehlenswert.

Kurzum, es ging, nehmt alles nur in allem, ganz gut.)))

29.10.2011 / JB.